Gutartige Aussackungen der Dickdarmwand (Divertikel) liegen bei vielen Menschen vor. Im jüngeren Erwachsenenalter sind sie seltener, bei den über 60-jährigen Mitteleuropäern in 40 - 50% der Bevölkerung nachweisbar.
Meist sind sie ein Zufallsbefund bei einer Darmspiegelung oder dem Schichtröntgen des Bauchraums (Computertomographie), machen keine Beschwerden (Divertikulose) und sind nicht behandlungsbedürftig. Am häufigsten ist der S-förmige Dickdarm (Krummdarm, Colon sigmoideum) und der absteigende Dickdarm betroffen.
Die Krankheitsentstehung ist nicht vollständig geklärt, begünstigend werden ballaststoff- und faserarme Kost, Verstopfungsneigung und Bindegewebsveränderungen genannt.
Im Fall einer Entzündung der Aussackungen (Divertikulitis) treten meist linksseitige Unterbauchschmerzen, allgemeines Krankheitsgefühl und Fieber auf.
Im Ultraschall kann man den entzündeten Darmabschnitt meist als walzenförmige Verdickung im Unterbauch darstellen. Bei Laboruntersuchungen sind häufig erhöhte Entzündungswerte nachweisbar. Man spricht dann von einer Divertikelkrankheit.
Die Entzündung eines oder mehrerer Divertikel kann von Bauchfett gedeckt vorliegen und dort im Rahmen der Entzündungsreaktion zu einer Eiteransammlung (Abszess) führen.
Kommt es bei der Entzündung der Aussackung zum Darmdurchbruch und Austritt von Stuhlgang in die freie Bauchhöhle, tritt eine Bauchfellentzündung (Peritonitis) auf. Dies kann zu einem lebensbedrohlichen Verlauf mit entzündlichem Schock (Sepsis) führen.
Als Folgen von Entzündungen im Darmbereich können narbige Verengungen des Darmes auftreten, die die Passage des Stuhles behindern.
Eine mögliche Komplikation der Divertikelkrankheit ist die Blutung aus kleinen Adern im Divertikel, die dann zu Blutauflagerungen auf dem Stuhlgang aber auch zu heftigen Darmblutungen führen können.
Damit sind die wesentlichen Komplikationen der Divertikelerkrankung genannt: Abszeßbildung, Bauchfellentzündung, Blutung und Darmverschluss.
Beim Verdacht auf das Vorliegen einer akuten Divertikelentzündung werden Schichtaufnahmen des Bauchraumes (Computertomographie) durchgeführt werden, um eine Divertikulose/ Divertikulitis nachzuweisen und etwaige Komplikationen (z.B. Darmdurchbruch, Eiteransammlung) auszuschließen.
Eine Dickdarmspiegelung im akuten Stadium wird in der Regel nicht durchgeführt, da hier die Gefahr eines Darmdurchbruchs besteht.
Die Entscheidung über eine medikamentöse Behandlung oder einen operativen Eingriff richtet sich nach der Häufigkeit der Entzündungen sowie nach den erhobenen Befunden der bildgebenden Verfahren (Sonographie, Computertomografie). Sie wird nach befundabhängiger Vordiagnostik und individueller Aufklärung des Patienten getroffen.
In der Regel wird der erste, unkompliziert verlaufende Entzündungsschub mit Antibiotika und Nahrungskarenz zum Abheilen gebracht, wobei es wichtig ist, zu wissen, dass diese Behandlung nur die Entzündung, nicht aber die Divertikel selbst behandelt.
Kommt es bereits beim ersten Schub zu einem komplizierten Verlauf mit Vereiterung, Blutung oder narbiger Einengung des Darms, raten wir schon dann zu einer Operation mit Entfernung des betroffenen Darmabschnitts.
Kommt es zu einem weiteren Entzündungsschub, raten wir spätestens dann zur operativen Entfernung des Krummdarms (Sigmaresektion) um Komplikationen zu verhindern.
Junge Patienten (unter 40 Jahre) mit Divertikulitis und Risikopatienten (z.B. Immunsuppression durch Kortisontherapie) sollten bereits nach dem ersten Schub einer Sigmadivertikulitis operiert werden, da diese Patienten ein hohes Risiko für erneut auftretende Entzündungen haben.
Insgesamt ist ein eindeutiger Trend zu beobachten, die Sigmadivertikulitis eher großzügig zu operieren, da bei auftretenden Komplikationen und einer erforderlich werdenden Notfalloperation nicht selten ein vorübergehender künstlicher Darmausgang angelegt werden muss, der bei frühzeitiger Operation in aller Regel vermieden werden kann.
Die operative Therapie besteht in der Entfernung des betroffenen Dickdarmabschnittes und der Wiedervereinigung der Darmenden durch eine spezielle maschinelle Technik (Klammernahtverfahren). Sie wird in über 90 % der Fälle minimal-invasiv mit der sogenannte Schlüssellochtechnik (laparoskopischassistiert) durchgeführt.
Wird im Stadium ohne akute Entzündung oder Komplikation (Vereiterung, Blutung, Bauchfellentzündung) operiert, kann auf die Anlage eines künstlichen Darmausgangs in über 90 % verzichtet werden, was den Patientenkomfort deutlich erhöht.
Durch umfangreiche unterstützende Maßnahmen (sog. Fast-Track-Schema) ist eine schnelle Rückkehr zur gewohnten körperlichen Aktivität möglich. Die stationäre Behandlungsdauer liegt je nach Begleiterkrankungen und Entzündungsausmaß zwischen ca. fümf und 15 Tagen.
Bei Notfalleingriffen (Darmdurchbruch in die freie Bauchhöhle mit Bauchfellentzündung, Darmverschluss und andere lebensbedrohliche Befunde) muss teilweise die Anlage eines vorübergehenden künstlichen Darmausganges erfolgen, um mögliche, für den Patienten schwerwiegende Komplikationen zu vermeiden.
Der künstliche Darmausgang (Anus praeter) kann in der Regel nach 8-12 Wochen im Rahmen einer kleineren Operation zurückverlegt werden.
Nach abgeheilten Entzündungen und den oben beschriebenen Darmteilentfernungen sollte auf ballaststoff- und faserreiche Kost und ausreichende Trinkmenge (2-2,5 l/Tag) geachtet werden.
Verstopfungsneigungen sind zu vermeiden. Übergewichtige Patienten sollten eine Gewichtsreduktion anstreben.