Hochtaunuskliniken – Klinik Bad Homburg

Enddarm- und Afterbereich

Abszessen und Fisteln im Enddarm- und Afterbereich

Definition und medizinische Bedeutung

Die Haut im Bereich des Afters ist naturgemäß mit Bakterien besiedelt. Die hohe Zahl an Talg- und Schweißdrüsen mit ihren Ausführungsgängen in diesem Bereich können ebenso wie oberflächliche Hautverletzungen Eintrittspforte für diese Bakterien darstellen. In dem weichen Bindegewebe um den After herum bilden sich dann Vereiterungen (periproktitische Abszesse), die aufgrund der großen Zahl an sensiblen Nerven in dieser Region sehr schmerzhaft sein können.

Diese Vereiterungen können sich, wenn sie nicht frühzeitig richtig behandelt werden, entlang dem Darmrohr des Enddarms und zwischen den Schichten des Schließmuskelapparats in Richtung auf das Gesäß und das kleine Becken ausdehnen und dann auch Beschwerden im Sinne

einer Allgemeinerkrankung (Fieber, Schüttelfrost, allgemeines Krankheitsgefühl [Sepsis]) machen. Die spontane Eröffnung eines solchen Abszesses führt zum Ablaufen des Eiters und meist rasch zu einer Besserung der Beschwerden, jedoch nicht zu einer Ausheilung. In Folge einer solchen Vereiterung können sich feine, schlauchförmige Verbindungen zwischen Haut und Darm (Fisteln) entwickeln.

Da die Fistelkanäle einen chronischen Entzündungsherd darstellen, können von den Fisteln immer wieder Abszesse ausgehen. Da diese Fisteln nicht selten auch den Schließmuskelapparat betreffen und auch durch die Schließmuskeln verlaufen können, stellen sie eine Bedrohung für die Stuhlhaltefunktion dar.

Erkrankungen mit gehäuftem Auftreten von Darmfisteln

Beim Vorliegen einer sogenannten "chronisch entzündlichen Darmerkrankung" (Morbus Crohn), die schubweise mit häufigen, schleimig-blutigen Durchfällen einhergeht und den gesamten Magen-Darm-Trakt befallen kann, kommt es gehäuft zum Auftreten von Fisteln im Enddarmbereich, aber auch

zu Fistelbildungen des Darms an anderer Stelle. Bei entsprechendem Verdacht können weitergehende Untersuchung mit einer Magen- und Darmspiegelung erforderlich sein, um einen Morbus Crohn auszuschließen.

Medizinische Klinik II - Gastroenterologie

Wann und wie müssen Abszesse und Fisteln im Enddarm- und Afterbereich behandelt werden?

Abszesse in der Region um den After müssen durch eine Operation entlastet werden, um eine Ausdehnung und die Entwicklung einer möglicherweise lebensbedrohlichen Folgeerkrankung (Fournier'sches Gangrän) und/oder eine Schädigung des Schließmuskelapparats zu verhindern.

Die äußerliche Eröffnung und Reinigung sind wesentlichen Maßnahmen, bei ausgedehnteren Befunden kann eine Sekretableitung nach außen (Drainage) durch Einlage eines dünnen Schlauches in die Wundhöhle erforderlich sein. In der Regel wird die Operationswunde offen gelassen und im Weiteren regelmäßig ausgeduscht. Unter diesen Maßnahmen verkleinert sich die Wundhöhle und heilt ab.

Die Anwendung einer sogenannten 'Vakuumversiegelung' kann bei sehr ausgedehnten Befunden sinnvoll sein und die Abheilung beschleunigen.

Siehe auch Entzündungen der Haut, Unterhaut und der Weichteile.

Nicht selten findet sich als Ursache eines Abszesses eine Fistel, die je nach Lage und Ausdehnung direkt chirurgisch versorgt wird oder nach Ausheilung des Abszesses in einer geplanten weiteren Operation behandelt werden sollte.

Die Behandlung von Analfisteln stellt insbesondere bei Fistelverläufen im Bereich des Schließmuskelapparates einen anspruchsvollen Teil der Enddarmchirurgie dar.

Das Risiko einer Schädigung des Schließmuskelapparats durch eine Fistel selbst ist als hoch einzustufen, aber auch die Operation selbst beinhaltet dieses Risiko. Ein operatives Vorgehen in diesem Bereich muss also sorgfältig geplant und vorbereitet werden.

Behandlungsverfahren in den Kliniken des Hochtaunuskreises

Die Abszesseröffnung in Narkose und der Reinigung der Abszesshöhle im Verlauf durch intensive lokale Maßnahmen (Spülungen, Sitz- und Duschbäder) sind die Behandlungsverfahren für 90 % der Abszesse.

Große Befunde können mehrfache operative Reinigungen in Narkose erforderlich machen. Eine Schwammeinlage mit Unterdruckbehandlung (Vakuum-Therapie) kann hier unterstützend wirken und die Wundheilung beschleunigen.

Fisteln können bei oberflächlicher Lage ohne Bezug zum Schließmuskelapparat direkt gespalten werden. Tiefer verlaufende Fisteln müssen häufig zunächst durch Einlage einer 'Fadendrainage' gereinigt werden.

Neben dem kompletten Ausschneiden der Fistel und dem Verschluß zum Darm hin durch Darmschleimhaut oder Darmwand bieten wir auch moderne, für den Patienten weniger belastende Verfahren an, bei dem der Fistelgang mit einer Art Docht verschlossen wird, der in das körpereigene Gewebe eingebaut wird und den Fistelgang verschließt (Anal-Fistula-Plug).

Gerade bei Fisteln, die den Schließmuskelapparat durchsetzten, bietetsich dieses Verfahren an, weil die Gefahr einer Schädigung des Schließmuskels so gesenkt werden kann.

Spektrum der Verfahren

  • Proktologische Infektsanierung
  • Behandlung großer Wundhöhlen mit Vakuum-Therapie
  • Fistelkonditionierung durch Fisteldrainage
  • Fistelsanierung mit Exzision und Mucosa-flap sowie Exzision und Vollwand-flap
  • Fistelsanierung mit Anal-Fistula-Plug