Hochtaunuskliniken – Klinik Bad Homburg

Leistenbrüche

Definition und medizinische Bedeutung

Ein Leistenbruch stellt eine angeborene oder erworbene Schwachstelle im straffen Bindegewebe der Bauchwand dar, über die sich Anteile der Baucheingeweide (Fettgewebe, Darmanteile, Harnblase) zusammen mit dem Bauchfell in den Bereich der Leiste vorwölben und hier sicht- und tastbar werden. Bedingt durch den Überdruck im Bauchraum beim aufrechten Gehen, beim Husten, Lachen, Niesen und Pressen wird die einmal bestehende Bruchlücke im Laufe der Zeit größer, eine spontane Heilung erfolgt im Erwachsenenalter nicht.

Männer sind von Leistenbrüchen deutlich häufiger betroffen als Frauen, was durch den Durchtritt des Samenstrangs durch die Bauchwand des Leistenbereichs beim Mann bedingt ist. Bei Frauen ist dagegen mit dem "Schenkelbruch" eine Sonderform der Brüche häufiger, hier entsteht der Bruch entlang der großen Blutgefäße, die den Bauchraum in Richtung auf die Leistenregion zum Bein hin verlassen. Leistenbrüche machen häufig über einen langen Zeitraum keine Beschwerden, in der Regel ist die Vorwölbung im Bereich der Leiste im Liegen auch gar nicht zu sehen.

Ziehende Schmerzen in der Leiste, Mißempfindungen bei Druckerhöhung im Bauch (Husten, Lachen, Niesen, Pressen) können Hinweis auf einen Leistenbruch sein.

Die schwerwiegendste Komplikation eines Leistenbruchs ist die Einklemmung des Bruches in der Bruchlücke der Bauchwand. Plötzliche, heftige Schmerzen im Leistenbereich, im gesamten Bauch und die Unmöglichkeit, den Bruch mit sanftem Druck in den Bauchraum zurückzuschieben (zu "reponieren"), sind dringender Hinweis auf eine solche Einklemmung. Da der Bruchinhalt in der Bruchlücke eingezwängt ist, kann der eingeklemmte Darmabschnitt nicht mehr richtig durchblutet werden, was das Risiko der Gewebezerstörung bis hin zur Entwicklung einer lebensbedrohlichen Bauchfellentzündung in sich trägt.

Die Einklemmung eines Leisten- oder Schenkelbruchs ist ein akut chirurgisch zu behandelnder Notfall.

Wann muss ein Leistenbruch behandelt werden?

Da ein einmal bestehender Leistenbruch nicht spontan abheilt, im Laufe der Zeit riesige Ausmaße annehmen kann und bei allen Patienten ein nicht einzuschätzendes Risiko einer Brucheinklemmung

mit möglicherweise schwerwiegenden Folgen besteht, sollte nach unserer Einschätzung jeder einmal festgestellte Leistenbruch auch operiert werden.

Behandlungsverfahren in den Kliniken des Hochtaunuskreises

Ein einheitliches Verfahren zur operativen Behandlung des Leistenbruchs existiert nicht, das Spektrum der angewendeten Verfahren ist sehr breit.

Wir bieten in unserer Klinik 6 etablierte Therapieverfahren an, die in enger Anlehnung an die medizinischen Notwendigkeiten und Ihre persönlichen Vorstellungen zur Anwendung kommen.

 

Konventionelle (herkömmliche) Verfahren:

  • Operation über einen Leistenschnitt, Verschluß der Bruchlücke und Verstärkung mit körpereigenem Gewebe ohne Verwendung von Kunststoffnetzen (Operation nach Shouldice): Angezeigt bei Bruchlücken < 3cm und stabilen Gewebeverhältnissen.
  • Operation über einen Leistenschnitt, Verschluß der Bruchlücke mit körper- eigenem Gewebe und Verstärkung durch ein Kunsstoffnetz, welches die Bildung einer stabilen Narbe auslöst (Faszienplastik nach Berliner und Lichtenstein-Augmentation): Angezeigt bei Bruchlücken > 3 cm und/oder schwachen Gewebsverhälnissen.
  • Operation über einen Leistenschnitt und Einlage eines Kunstoffnetzes vor das Bauchfell (Operation nach Wantz, TIPP-Technik): Angezeigt bei einseitigen Rezidiven (d. h. erneutem Auftreten eines Bruches nach Operation über einen Leistenschnitt) und körperlich schwer arbeitenden Menschen.
  • Operation über einen kleinen Mittellinienschnitt und Einlage eines großen Kunststoffnetzes vor das Bauchfell im Bereich beider Leisten zur Abdeckung aller Brucklücken (Operation nach Stoppa): Angezeigt bei großen, doppelseitigen Brüchen, Rezidiven (d. h. erneutem Auftreten eines Bruches nach Operation über einen Leistenschnitt) und körperlich schwer arbeitenden Menschen.

In Abhängigkeit von der Größe des Bruchs, Ihren Begleiterkrankungen und Voroperationen, dem Ausmaß Ihrer körperlichen Belastung und der Familienanamnese (HEAD-Score) werden wir eines der beschriebenen Verfahren empfehlen:

 

 

 

Minimal-invasive Techniken (Schlüssellochmethode):

  • Operation durch die Bauchhöhle unter Sicht einer Kamera mit Einpflanzung eines Kunststoffnetzes vor das Bauchfell zur Abdeckung der Bruchlücke (TAPP-Technik): Bei Wunsch des Patienten nach einem minimal-invasiven Verfahren, Bruchlücken > 3 cm sowie bei Rezidiven mit Zugang der Erstoperation über einen Leistenschnitt.
  • Operation zwischen den Schichten der Bauchdecke unter Sicht einer Kamera und Einpflanzen eines Kunststoffnetzes vor das Bauchfell zur Abdeckung der Bruchlücke (TEPP-Technik):Angezeigt bei Wunsch des Patienten nach einem minimal-invasiven Verfahren, Bruchlücken > 3 cm sowie stattgehabten Voroperationen in der Bauchhöhle, die ein Vorgehen durch die Bauchhöhle riskant erscheinen lassen oder unmöglich machen.

 

Dieses etablierte Spektrum ermöglicht uns eine maßgeschneiderte Therapie mit niedrigen Rezidivraten, einem hohen Patientenkomfort und einer raschen Erholung nach dem Eingriff.