Die Schilddrüse ist eine wichtige Hormondrüse des Körpers. Die Größenzunahme der Schilddrüse, die im Normalfall als kleines Organ vor der Luftröhre im vorderen Halsbereich liegt, bezeichnet man umgangssprachlich als Kropf, der Fachbegriff lautet "Struma". Die Schilddrüsenhormone (Hormone = Botenstoffe) regen Stoffwechselprozesse im Körper an. Werden zu viele Schilddrüsenhormone produziert, entsteht eine Überfunktion mit den Symptomen der Nervosität, Unruhe, Schweißneigung, schnellem Herzschlag und Gewichtsabnahme; ein Mangel kann zu Müdigkeit, Antriebsarmut und Gewichtszunahme führen. Für eine ausreichende Hormonproduktion benötigt die Schilddrüse Jod, welches in weiten Teilen Deutschlands mit der Nahrung in zu geringem Maß zugeführt wird.
Jodmangel ist ein Auslöser, der die Schilddrüse zum Wachstum und zur Knotenbildung anregen kann. Zunahme des Halsumfangs, Kloßgefühl, Schluckstörungen und Stimmveränderungen sind möglicherweise kombiniert mit den Anzeichen der Hormonüber- oder Unterproduktion die charakteristischen Symptome von Schilddrüsenerkrankungen.
Neben Vergrößerung und Knotenbildung sind Entzündungen der Schilddrüse und bösartige Neubildungen die wesentlichen Erkrankungen der Schilddrüse.
Es bestehen vielfältige Möglichkeiten, Veränderungen der Schilddrüse zu behandeln, dabei ist die Operation mit Teilentfernung oder vollständiger Entfernung des Organs ein wichtiger Teilbereich. Behandlung mit Medikamenten (Jod, Schilddrüsenhormon in Tablettenform bei Hormonmangel oder Medikamente, die die Hormonproduktion bei Überfunktion bremsen) gehören genau so dazu wie die sogenannte Radiojodtherapie, bei der eine innerliche Bestrahlung der Schilddrüse krankhaftes Gewebe des Organs zerstört.
Um ein auf die persönlichen Bedürfnisse und die medizinischen Notwendigkeiten des Patienten abgestimmtes Behandlungskonzept zu erstellen, pflegen wir einen engen Austausch mit ihrem Hausarzt und den
weiteren Spezialisten, die Spezialuntersuchungen der Schilddrüse durchführen ('Feinnadelpunktion' verdächtiger Schilddrüsenknoten zur Sicherung der Diagnose, 'Szintigraphie' zur Funktionsdiagnostik).
Auch wenn bösartige Veränderungen der Schilddrüse relativ seltene Erkrankungen sind, ist trotz vielfältiger Untersuchungen die endgültige Diagnose häufig nur durch eine Operation der Schilddrüse mit Teilentfernung oder vollständiger Entfernung des Organs zu sichern. Auch bei Entzündungen der Schilddrüse (Morbus Basedow, Hashimoto-Thyreoiditis sind durch die chirurgische Therapie sehr gute Behandlungsergebnisse zu erzielen.
Die operative Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen erfolgt in der Chirurgischen Klinik I der Hochtaunus Kliniken leitliniengerecht und funktionsadaptiert. Das bedeutet, dass gesundes, funktionsfähiges Schilddrüsengewebe möglichst erhalten wird um den körpereigenen Hormonstoffwechsel weiter zu ermöglichen, dass aber verändertes Gewebe radikal entfernt wird, auch wenn das die vollständige Entfernung des Organs erforderlich macht.
Grund hierfür ist, dass das erneute Auftreten von knotigen Veränderungen in einer einmal operierten Schilddrüse die Zweitoperation deutlich aufwändiger und komplikationsträchtiger macht als eine radikale Erstoperation.
Festlegung des richtigen Operationsausmaßes während der Operation und Vermeidung von Komplikationen:
Um das notwendige Ausmaß der Entfernung von Schilddrüsengewebe während der Operation festlegen zu können, wird noch während der Operation Gewebe durch unsere Pathologen untersucht (intraoperativer Schnellschnitt). Ziel ist eine für das entsprechende Krankheitsbild 'maßgeschneiderte Behandlung'.
Um die bei Schilddrüsenoperationen gefürchtete Komplikation einer Verletzung der hinter der Schilddrüse gelegenen Stimmbandnerven mit den Problemen der Heiserkeit und Stimmlosigkeit zu vermeiden erfolgt in unserer Klinik standardisiert das sogenannte 'Neuromonitoring', bei der mittels elektrischer Impulse die Funktion der Stimmbandnerven bei jedem Operationsschritt überprüft werden kann.
Im Bereich der Schilddrüse befinden sich weitere Hormondrüsen, die sogenannten Nebenschilddrüsen. Diese, nur wenige Millimeter großen Drüsen sind für die Aufrechterhaltung des Calcium-Stoffwechsels verantwortlich und müssen zur Vermeidung von entsprechenden Problemen (Hypocalcämie-Syndrom) geschont werden, soweit es die erforderliche Radikalität der Operation zulässt.
Wir stellen bei jedem Eingriff diese Nebenschilddrüsen dar, um dadurch das Risiko einer Schädigung oder zufälligen Entfernung zu senken. Sollte eine Entfernung unumgänglich sein, wird die entsprechende Nebenschilddrüse noch während der Operation in einen Halsmuskel verpflanzt (Autotransplantation), um ihre Funktion zu erhalten.