Arthrose zählt zu den großen Volkskrankheiten: In Deutschland werden pro Jahr ca. 140.000 künstliche Kniegelenke implantiert, so dass man hier von einem Routineeingriff sprechen kann.
Die medizinische Forschung und Entwicklung hat auf diesem Gebiet Großartiges geleistet.
In den vergangenen 40 Jahren wurden spezielle Werkstoffe und Designs für anatomische und körperfreundliche Gelenkimplantate erforscht, die möglichst lange Standzeiten haben, d. h. lange im menschlichen Körper bleiben.

Prinzipiell wird bei Kunstgelenken versucht, die Biomechanik des natürlichen Gelenkes bestmöglich nachzuahmen. Die abgenutzten Knorpeloberflächen des erkrankten Knies werden durch glatte, gewichttragende Oberflächen ersetzt.
Vor dem Eingriff wird der Operateur anhand der Untersuchungsdaten und der Röntgenbilder eine Operationsplanung durchführen, bei der Modell, Größe der Implantate und Art der Fixierung festgelegt wird. Alles wird auf Ihre ganz individuellen Bedürfnisse abgestimmt.
Alter, Geschlecht, Knochenqualität, Körpergewicht und nicht zuletzt Ihre körperlichen Aktivitäten spielen eine Rolle. In jedem Fall wird die natürliche Beinachse wieder hergestellt.
Künstliche Gelenke halten in der Regel 12 bis 15 Jahre. Entscheidende Faktoren für die Lebensdauer und Funktionsfähigkeit sind das Material der Gleitpaarung, die körperliche Beanspruchung und die Knochenbeschaffenheit.
Eine Knie-Totalendoprothese ist der Ersatz des erkrankten Kniegelenkes durch ein künstliches Implantat. Bei der Implantation eines künstlichen Kniegelenks wird die abgenutzte Knorpelfläche von Oberschenkelrolle und Schienbeinkopf entfernt und durch eine Femur-Komponente (Oberschenkelprothese) und eine Tibia-Komponente (Unterschenkelprothese) ersetzt.
Auf die Tibia-Komponente wird ein Polyethylen-Aufsatz gesetzt, der als Gleitfläche zwischen Ober- und Unterschenkel dient. Ein Knochenverlust durch vorliegende Knochendefekte (z. B. nach einem Unfall) kann durch verschiedene Höhen des
Polyethylen-Gleitpartners ausgeglichen werden.
Die in direktem Kontakt miteinander stehenden Gelenkflächen (Gleitpaarung) sind eine Oberschenkelkomponente aus Metall und eine Gleitfläche aus Polyethylen. Ebenfalls aus Polyethylen ist die Kniescheibe, die nicht in jedem Fall ersetzt erden muss.
Diese speziell für medizinische Zwecke hergestellten Materialien zeichnen sich durch eine maximale Gewebeverträglichkeit aus und ermöglichen eine möglichst schmerzfreie und dauerhafte Funktion.
Überall dort, wo natürliche Knochen mit künstlichen Gelenken zusammentreffen, spielen Material und Oberflächenbeschaffenheit eine zentrale Rolle, um eine schmerzfreie Gelenkbewegung zu ermöglichen und vom Körper dauerhaft toleriert zu werden.
Im Allgemeinen werden zwei Materialarten für orthopädische Zwecke verwendet: Metalle und Polymere.
Zementierte Endoprothese
Die Femur- und die Tibia-Komponente werden mit Knochenzement, einem schnell härtenden Kunststoff, befestigt. Ein zementiertes Gelenk ist sofort belastbar.
Der bikondyläre Kniegelenkersatz (Oberflächenersatz) ist geeignet für Patienten, deren Kniegelenk in mehreren Gelenkabschnitten geschädigt ist.
Bei völlig zerstörten Knien lassen sich auch bei jüngeren und aktiven Patienten
Oberflächen-Knieendoprothesen mit deutlich verbesserter Bewegungsfähigkeit (High-Flex Knie) im Vergleich zu herkömmlichen Prothesen zur Imitierung eines möglichst "physiologischen" Bewegungsablaufes implantieren.
Unikondyläre Schlittenprothesen sind vielversprechende knochensparende Perspektiven für jüngere Patienten.
Die unikondyläre Knieendoprothese ist für Patienten gedacht, bei denen erst "eine
Hälfte" des Kniegelenks, d. h. der innere oder äußere Gelenkteil, betroffen ist. Voraussetzung ist ein intakter Kapsel-Band-Apparat mit erhaltenen Kreuz- und Seitenbändern.