Hochtaunuskliniken – Klinik Usingen

Darmoperation bei Divertikulitis

Bei wiederholten Entzündungen mit Veränderungen des Darmes (z. B. Enge oder beginnender Verschluss) ist ein operativer Eingriff mit Entfernung des betroffenen Darmabschnittes erforderlich. Durch den Fortschritt in der operativen Behandlungstechnik kann diese Operation mittlerweile in der Mehrzahl der Fälle minimal-invasiv mit Hilfe einer Bauchspiegelung durchgeführt werden. Dabei wird der divertikeltragende Darmabschnitt entfernt. Das minimalinvasive Vorgehen bedeutet für den Patienten einen kürzeren stationären Aufenthalt, kleinere Narben und weniger Schmerzen.

Was ist ein Divertikel?

Unter einem Divertikel versteht man eine kleine umschriebene Ausstülpung der Darmwand, die sowohl im Dick- als auch im Dünndarm vorkommen kann. Am häufigsten findet man Divertikel im sogenannten Krummdarm (medizinisch Sigma), einem Abschnitt des Dickdarmes, der im linken Unterbauch lokalisiert ist.

In den übrigen Abschnitten des Dickdarmes treten Divertikel deutlich seltener auf auf, im letzten Teil des Dickdarmes, dem sogenannten Mastdarm, kommen sie gar nicht vor. Finden sich viele Divertikel nebeneinander, spricht man von einer Divertikulose.

Wie entstehen Dickdarmdivertikel und wie häufig sind sie?

Dickdarmdivertikel sind nicht angeboren, sondern treten mit zunehmendem Alter immer häufiger auf. Der genaue Entstehungsmechanismus ist bis heute nicht geklärt.

Als Ursachen für die Bildung von Divertikeln werden eine faserarme und ballaststoffarme Kost, gesteigerte Drücke im Darm (wie z. B. bei Verstopfung) und altersbedingte Darmwandveränderungen angesehen.

Während die Divertikulose unter dem 40. Lebensjahr selten ist, können bei etwa 30 - 50 % der über 60-jährigen Patienten Divertikel nachgewiesen werden. Damit gehört die Divertikulose zu einer der häufigsten Zivilisationskrankheiten in der westlichen Welt.

Schätzungen aufgrund epidemiologischer Untersuchungen haben ergeben, dass pro Jahr in den USA mit 7.4 Millionen Divertikuloseträgern und mit 1.4 Millionen Divertikulosekranken zu rechnen ist, von denen immerhin 300.000 operiert werden müssen.

Dickdarm

Dickdarmbereiche:
A: Wurmfortsatz (sog. Blinddarm)
B: aufsteigender Dickdarm
C: Querdarm
D: Dünndarm
E: absteigender Dickdarm
F: Schleifendarm (Sigma)
G: Enddarm (Rektum)

Welche Beschwerden rufen Divertikel hervor?

Die überwiegende Zahl aller Patienten mit einer Divertikulose, das heißt etwa 70 - 80 %, haben keinerlei Beschwerden. Beim Auftreten von Beschwerden oder Komplikationen spricht man von einer sogenannten Divertikelkrankheit.

Als Ursache dieser Beschwerden vermutet man in den meisten Fällen eine Entzündung einzelner oder mehrerer Divertikel - dies nennt man dann "Divertikulitis" - z. B. durch Festsetzen harter Stuhlanteile in einem Divertikel.

Etwa 10 - 20 % der Divertikulosepatienten entwickeln im Laufe ihres Lebens eine solche Entzündung.

Typische Zeichen einer Divertikulitis sind Schmerzen im linken Unterbauch, Fieber, Entzündungszeichen im Blut (z. B. erhöhte weiße Blutkörperchen) sowie Stuhlgangsunregelmäßigkeiten meist in Form einer Verstopfung.

Wie diagnostiziert man eine Divertikulitis?

Die körperlichen Untersuchung zeigt einen Druckschmerz im linken Unterbauch mitunter begleitet von einer gut abgrenzbaren, walzenförmigen Verhärtung (durch den entzündeten Darm) als wegweisenden Befund. Etwa 20 % der Patienten haben zudem Beschwerden beim Wasserlassen.

Die Sicherung der Diagnose erfolgt durch technische Zusatzuntersuchungen mittels Computertomogramm (CT), Röntgenuntersuchung des Darmes (Kolon-Kontrastuntersuchung) oder einer Darmspiegelung (Coloskopie).

Welche Komplikationen können bei einer Divertikulitis auftreten?

Im Rahmen einer Divertikulitis ist Darmdurchbruch (Perforation) möglich, was zu einem Abszess oder in ungünstigen Fällen zu einer freien Verbindung mit Austritt von Stuhl in den Bauchraum führen kann, einem lebensbedrohlichen Krankheitsbild mit eitriger Bauchfellentzündung.

Eine weitere Komplikation stellt die Divertikelblutung dar. Sie kann als Folge einer Divertikulitis auftreten und ist bei älteren Patienten eine der häufigsten Ursachen für eine Darmblutung.

Da die Divertikulitis typischerweise in immer wieder auftretenden Schüben verläuft, findet man als weitere Komplikation besonders bei langjährigem Verlauf häufig eine narbige Enge im Krummdarm (Sigmastenose), die zur Verstärkung der Verstopfung führt.

Wie wird die Divertikulose/Divertikulitis behandelt?

Da die Mehrzahl aller Patienten mit Divertikeln ohne Krankheitsbeschwerden ist, bedarf diese Gruppe der Patienten auch keiner speziellen Therapie. Wird eine Divertikulose zufällig diagnostiziert, sollte eine ballaststoffreiche Diät mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr von mindestens 1.500 ml/Tag eingehalten werden, um das Auftreten von Komplikationen zu vermeiden.

Tritt zum ersten Mal eine Divertikulitis auf, wird diese konservativ, das heißt zunächst ohne Operation behandelt. Die Therapie der Divertikulitis besteht aus Nahrungskarenz (keine Zufuhr von Nahrung) und künstlicher Ernährung zur Ruhigstellung des Darmes sowie einer Schmerzmedikation und der Gabe von Antibiotika.

Bei wiederholten Entzündungen mit Veränderungen des Darmes (z. B. Enge oder beginnender Verschluss) ist eine operative Therapie mit Entfernung des betroffenen Darmabschnittes erforderlich. Durch den Fortschritt in der operativen Behandlungstechnik kann diese Operation mittlerweile in der Mehrzahl der Fälle minimal-invasiv mit Hilfe einer Bauchspiegelung durchgeführt werden. Dabei wird der divertikeltragende Darmabschnitt entfernt.

Das minimal-invasive Vorgehen bedeutet für den Patienten einen kürzeren stationären Aufenthalt, kleinere Narben, weniger Schmerzen. Zudem erwarten wir zukünftig weniger Verwachsungsbeschwerden.

Im Notfall (freier Darmdurchbruch, Bauchfellentzündung, Darmverschluss) besteht immer die Notwendigkeit (Indikation) zur umgehenden Operation. Je nach Befund muss in diesem Fall vorübergehend ein künstlicher Darmausgang angelegt werden, der jedoch nach einiger Zeit wieder zurückverlegt werden kann. Zudem besteht in einem solchen Fall akute Lebensgefahr, so dass gerade bei immer wieder auftretenden Divertikelentzündungen rechtzeitig über die Operation nachgedacht werden sollte.

Bei Divertikelblutungen wird versucht, im Rahmen einer Darmspiegelung (Endoskopie) die Blutungsstelle zu finden und eine Blutstillung durchzuführen. Gelingt dies nicht, muss der divertikeltragende Darmabschnitt operativ entfernt werden.