Interdisziplinäre demenzsensible Elektiv- und Akutversorgung (IDEA)
Was braucht es, damit gute Pflege und Medizin auch in herausfordernden Situationen gelingen? Vor allem Zeit, Ruhe und eine Umgebung, in der Patienten mit ihren individuellen Bedürfnissen im Mittelpunkt steht. Genau hierfür steht die im November 2026 eröffnete Interdisziplinäre demensensible Elektiv- und Akutversorgung (nachfolgend im Text IDEA genannt) in den Hochtaunus-Kliniken. Das Behandlungskonzept orientiert sich an einem ganzheitlichen biopsychosozialen Ansatz, der medizinische, therapeutische und soziale Dimensionen der Versorgung integriert.
Auf der demenzsensibel gestalteten Station steht nicht das Krankheitsbild im Vordergrund, sondern der Mensch mit seiner persönlichen Biografie, seinen Ressourcen und seinen individuellen Bedürfnissen. Dafür sind angepasste Arbeitsabläufe, eine besondere räumliche Gestaltung und vor allem ausreichend Zeit für eine personenzentrierte Versorgung vorgesehen.
Multiprofessionelles Team
Ein zentraler Baustein ist die enge Zusammenarbeit im multi-professionellen Team. Pflegefachkräfte, Pflegehilfskräfte, Ärztinnen und Ärzte, Therapeutinnen und Therapeuten sowie Alltagsbegleiter arbeiten gemeinsam daran, Sicherheit, Orientierung und Wohlbefinden zu fördern. „Mehr Zeit für den einzelnen Menschen bedeutet auch, genauer hinzuschauen, Bedürfnisse wahrzunehmen und gemeinsam passende Lösungen zu finden“, so Kathrin Seefeldt, Pflegedirektorin der Hochtaunus-Kliniken.
„Eine demenzsensible Notaufnahme ist ein speziell gestalteter, patientenzentrierter Notfallbereich, der darauf ausgerichtet ist, bereits bei der Aufnahme kognitive Einschränkungen zu erkennen, Verwirrtheitszustände zu vermeiden und die Orientierung, Sicherheit und Würde älterer kognitiv eingeschränkter Patientinnen und Patienten zu erhalten. Um dies umzusetzen, arbeiten wir interdisziplinär an einer individuellen Diagnostik, Behandlung und Entlassungsplanung“, so Dr. med. Cornelius Gurlitt, der die medizinische Leitung der IDEA, in Kooperation mit Doctor-medic. Peter Milata, inne hat.
Auf die besonderen Bedürfnisse ausgerichtet
Auch die Umgebung spielt eine wichtige Rolle. Die IDEA verfügt über sechzehn Einzelzimmer, die jeweils mit einem Angehörigenbett ausgestattet sind und somit die Einbeziehung nahestehender Bezugspersonen in den Behandlungsprozess ermöglichen. Auf Wunsch können auch Angehörige aufgenommen werden. Ein durchdachtes Farb- und Lichtkonzept, klare Orientierungselemente und eine ruhige Gestaltung schaffen eine angenehme Atmosphäre.
Die Station ist milieutherapeutisch* gestaltet und bietet eine geschützte, strukturierte und zugleich wohnliche Umgebung, die Orientierung, Sicherheit und emotionale Geborgenheit vermittelt. Die Unterbringung auf dieser Stationiert dient primär der Vermeidung einer weiteren Verschlechterung der kognitiven Einschränkungen, sowie der Prävention eines Delirs, also eines akut auftretenden Zustandes schwerer geistiger Verwirrung.
Farben und Beschriftungen erleichtern die Orientierung, abgerundete Ecken, ruhigere Flure oder mit Motiven gestaltet Türen können dazu beitragen, Weglaufen und Stürze zu verhindern. Auch spezielle Deckenleuchten, die beispielsweise Naturmotive an die Decke projizieren, sind Teil des Konzepts. Sie können Angst und Stress reduzieren und damit das Wohlbefinden von Patientinnen, Patienten und Mitarbeitenden gleichermaßen positiv beeinflussen.
Interdisziplinäre Versorgung
Die IDEA verfolgt einen interdisziplinären Belegungsansatz zur bedarfsorientierten Behandlung von Patientinnen und Patienten mit einer akuten oder chronischen somatischen Erkrankung und einer kognitiven Einschränkung als Nebendiagnose. Sie steht den Fachabteilungen Innere Medizin, Urologie, Neurologie, Gefäß- und Allgemeinchirurgie sowie der Gynäkologie zur Belegung offen.
Aufnahmeprozess
Der Aufnahmeprozess wird als zentraler Bestandteil der Versorgungsqualität betrachtet. Er ist so gestaltet, dass er Orientierung, Sicherheit und Vertrauen fördert und die individuellen Bedürfnisse sowie biographische Hintergründe der Betroffenen berücksichtigt. Die Angehörigen sind bereits hier eng eingebunden, um biografische Informationen, Kommunikationsgewohnheiten und Verhaltensmuster zu erfassen, die für die individuelle Betreuung von Bedeutung sind. Sämtliche Schritte werden lückenlos dokumentiert und regelmäßig evaluiert.
Ärztliche Zuständigkeiten
Die organisatorische Zuständigkeit liegt bei der ärztlichen Leitung, die zugleich die übergeordnete Verantwortung für die konzeptionelle Weiterentwicklung und die interdisziplinäre Abstimmung trägt. Die medizinische Endverantwortung für die Patientinnen und Patienten verbleibt in der jeweils behandlungsführenden Fachabteilung des Hauses, deren Ärztinnen und Ärzte die tägliche Visite durchführen und den fachspezifischen Therapieverlauf steuern. Die pflegerische Stationsleitung gewährleistet die operative Umsetzung der pflegerisch-organisatorischen Behandlungsqualität.
Ärztliche Visite
Die ärztlichen Visiten auf der IDEA finden in der Regel täglich vormittags in der Zeit von 8 bis 11 Uhr statt. Die genaue Terminierung erfolgt tagesaktuell in Abstimmung mit der Stationsleitung und richtet sich nach der Belegung und Verfügbarkeit der jeweiligen behandlungsführenden Fachabteilungen.
Neben dem ärztlichen Dienst nehmen die zuständigen Pflegekräfte an der Visite teil. Im Anschluss an die ärztliche Visite erfolgt von Montag bis Freitag eine multiprofessionelle Teambesprechung, in der aktuelle Behandlungsfortschritte, Therapieziele und notwendigen Maßnahmen zur Entlassungsvorbereitung besprochen werden.
Entlassungsmanagement
Das Entlassungsmanagement wird bereits bei der Aufnahme initiiert und kontinuierlich fortgeführt. der voraussichtliche Entlassungstermin wird frühzeitig mit Patienten und Angehörigen abgestimmt, um die Organisation des Heimtransportes oder möglicher Anschlussmaßnahmen (z.B. Verlegung in die Hochtaunus-Kliniken/St. Josef Krankenhaus nach Königstein), rechtzeitig sicherzustellen. Die Entlassung erfolgt in der Regel vormittags, um eine geordnete Übergabe, die Bereitstellung der relevanten Unterlagen (Arztbrief Medikation, Pflege- und Therapieempfehlung) sowie eine terminierte Heimreise zu ermöglichen.
Einschluss- und Ausschlusskriterien
Die Aufnahme auf die spezialisierte Demenzstation IDEA erfolgt unter Berücksichtigung klar definierter medizinischer und organisatorischer Kriterien , um eine indikations- und bedarfsgerechte Versorgung sicherzustellen.
* Als Fundament der milieutherapeutischen Arbeit gelten unter anderem das „physische Milieu“: Die Krankenzimmer sollen wenig wie im Krankenhaus anmuten, sondern wohnlich und übersichtlich sowie mit eindeutigen Orientierungshilfen (Beschilderungen, stets selbe Ort für Gegenstände) ausgestattet sein. Das „soziale Milieu“, bestehend aus Ärztinnen und Ärzten, Pflegenden, Therapeutinnen und Therapeuten, die eine Art therapeutische „Familie auf Zeit“ bilden und die Patienten soweit als möglich mitbestimmt und eigenverantwortlich mitnehmen.